Verabreichung von Humanarzneimitteln an Tiere - warum ist das ein Fehler? Fallbeschreibungen
Wer sich ein Haustier anschafft oder adoptiert, übernimmt die volle Verantwortung für die Sicherheit des Tieres. Zugegebenermaßen sind hier im Allgemeinen einige positive Trends zu beobachten, da immer mehr Tierhalter beginnen, sich bewusst mit ihrem Haustier zu beschäftigen. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass immer mehr Wissen darüber vorhanden ist, wie die Ernährung und Gesundheitspflege eines Haustiers aussehen sollte. Andererseits sehen Tierärzte in ihren Praxen immer noch Patienten, deren Gesundheitszustand sich durch unbewusste Handlungen ihrer Besitzer verschlechtert hat. Ein klassisches Beispiel für eine solche Situation ist das Szenario, dass ein Tier ein gesundheitliches Problem hat und der Besitzer ihm Medikamente gibt, die für Menschen bestimmt sind. Warum ist dies ein schwerwiegender Fehler? Welche Risiken bestehen bei der Verabreichung solcher Präparate an Haustiere? Wir empfehlen Ihnen, unseren Text zu lesen.
Darf man Tieren überhaupt Humanarzneimittel verabreichen?
Es sollte von vornherein klar sein, dass diese Frage kein Nullsummenspiel ist. Deshalb gibt es hier auch keine einheitliche Antwort.
Zunächst einmal ist es in der Tat so, dass einige Tierarzneimittel, vor allem solche, die zur Behandlung schwerer Erkrankungen eingesetzt werden, später auch für den Menschen getestet werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Ärzte und Tierärzte genau das gleiche Präparat verwenden. Natürlich ist hier in erster Linie die Art des Wirkstoffs wichtig, aber ebenso wichtig ist die Dosierung.
Hier kommen wir zum ersten wichtigen Punkt. Das Dosierungsschema der meisten Medikamente sieht die Verabreichung einer bestimmten Menge des Wirkstoffs pro Kilogramm des Körpergewichts vor. Es sei daran erinnert, dass ein ähnliches Prinzip auch für die in der Medizin verwendeten Arzneimittel gilt. Um die gewünschte therapeutische Wirkung zu erzielen, muss ein 100 kg schwerer Mann eine höhere Dosis eines Arzneimittels einnehmen als eine Frau, die nur halb so viel wiegt. Dies ist einer der Gründe, warum es Tieren absolut nicht erlaubt ist, Menschenarzneimittel frei zu verabreichen.
Natürlich gibt es von dieser Regel, wie von jeder Regel, einige Ausnahmen. Selbst Tierärzte weisen darauf hin, dass einige Medikamente durchaus an Tiere verabreicht werden können. Aber auch hier ist die Dosierung solcher Präparate entscheidend.
Welche Medikamente sollten Tieren niemals verabreicht werden?
Andererseits ist die Anwendung bestimmter Medikamente bei Tieren völlig verboten. Denn es drohen schwere Nebenwirkungen, die die Gesundheit oder sogar das Leben des Tieres gefährden. Leider mussten viele Tierärzte in ihrer Praxis schon den Tod eines Vierbeiners feststellen, dem Humanarzneimittel verabreicht worden waren. Es lohnt sich also, sich das Ausmaß der Gefahr bewusst zu machen!
1. Paracetamol, Ibuprofen und andere NSAIDs
Welche Medikamente sollten also auf keinen Fall an Haustiere verabreicht werden? An erster Stelle sind hier zwei beliebte Schmerzmittel zu nennen, nämlich Ibuprofen (z. B. Ibuprom) und Paracetamol (z. B. Apap). Beide Wirkstoffe sind sehr schädlich für die Gesundheit der Tiere.
Warum ist dies der Fall? Das liegt vor allem daran, dass der tierische Körper diese Stoffe nicht verstoffwechseln kann. Paracetamol, Ibuprofen und andere gängige nichtsteroidale Entzündungshemmer wurden am Menschen getestet. Es wurde also angenommen, dass der menschliche Organismus gut auf sie ansprechen würde. Im Gegensatz dazu wurden an Tieren nie entsprechende Studien durchgeführt.
Leider gehen Tierhalter manchmal davon aus, dass ein Medikament, das sie selbst einnehmen, für ihr Tier nicht schädlich sein kann. Dieses Denken kann jedoch buchstäblich zu einer Tragödie führen.
Die gesundheitlichen Auswirkungen der Verabreichung solcher Medikamente an Haustiere können sehr ernst sein. Da diese Medikamente im Körper der Tiere nicht verstoffwechselt werden, ist eine Vergiftung nur eine Frage der Zeit. Bei der Verabreichung höherer Dosen können Leber- und Kreislaufstörungen auftreten, was bereits einen lebensbedrohlichen Zustand bedeutet.
Was die einzelnen Tiere betrifft, so scheinen Katzen empfindlicher auf die Wirkung solcher Medikamente zu reagieren als Hunde. Paracetamol, Aspirin und Ibuprofen (und andere nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente) sollten jedoch nicht bei Tieren angewendet werden.
Die Ausnahme von der Regel - Pyralgin
Natürlich gibt es zu jeder Regel auch Ausnahmen. Im Falle der NSAIDs kann eine solche Ausnahme das beliebte Pyralgin sein, ein Medikament, das zwei Wirkstoffe enthält, Meloxicam und Metamizol. Diese werden von tierischen Organismen viel besser vertragen.
An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass es spezifische NSAIDs gibt, die speziell für die Anwendung bei Vierbeinern entwickelt wurden. Ein Beispiel für eine solche Substanz ist Carprofen, ein Medikament mit entzündungshemmenden und fiebersenkenden Eigenschaften. Es wird von Tierärzten häufig verschrieben, wenn bei Tieren Schmerzen diagnostiziert werden.
2. Hormonelle Medikamente (z. B. Verhütungsmittel)
Auch hier bestätigt sich der erwähnte Grundsatz. In der Tat kann der Tierarzt bei der Diagnose bestimmter hormoneller Probleme bei einem Vierbeiner eine Behandlung mit solchen Präparaten empfehlen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Tieren menschliche Verhütungsmittel verabreicht werden können.
In diesem Fall ist das Risiko insofern geringer, als niedrige Dosen solcher Medikamente nicht mehr Schaden anrichten dürften als eine Lebensmittelvergiftung. Bei längerer Anwendung oder höherer Dosierung kann es jedoch zu ernsthaften Problemen kommen.
3 Betablocker
Betablocker für Menschen und Betablocker für Tiere werden aus ganz unterschiedlichen Wirkstoffen hergestellt. Wenn Sie also Ihrem Haustier die gleichen Medikamente verabreichen, wie Sie sie verwenden, kann das leicht zu gesundheitlichen Problemen führen.
Die goldene Regel: Konsultieren Sie bei der Verabreichung von Medikamenten immer Ihren Tierarzt!
Um sich ein vollständiges Bild von der beschriebenen Problematik zu machen, muss man wissen, dass selbst Tierärzte manchmal die Verabreichung gängiger Medikamente an Haustiere erlauben. Neben dem oben beschriebenen Pyralgin gilt diese Regel auch für No-Spy, ein diastolisches Medikament, das bei starken Bauchschmerzen eingesetzt wird. Dieses Medikament enthält den Wirkstoff Drotaverinhydrochlorid. Studien haben gezeigt, dass es für Hunde und Katzen sicher ist.
Doch auch hier stellt sich das bereits erwähnte Problem. Auch wenn ein Medikament für Tiere unbedenklich ist, kann die falsche Dosierung Ihrem Haustier schaden. Deshalb ist es so wichtig, vor der Verabreichung eines Medikaments einen Tierarzt zu konsultieren.
Dies ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens wird der Tierarzt beurteilen, ob das Tier das Medikament überhaupt erhalten kann. Zweitens wird der Tierarzt, wenn keine Kontraindikationen vorliegen, eine bestimmte Dosierung empfehlen. Diese beiden Aspekte machen es für den Besitzer sicherer, seinem Haustier zu helfen.
Beschreibungen der von Tierärzten berichteten Fälle von Arzneimittelvergiftungen
Leider sind die oben genannten Vorsichtshinweise für Tierhalter nicht nur theoretisch. Sie werden durch sehr unangenehme Erfahrungen von Tierärzten untermauert. Viele von ihnen haben versucht, Tieren zu helfen, die Symptome einer Arzneimittelvergiftung zeigten. Im Folgenden werden mehrere Fälle beschrieben, die von Tierärzten in einer der Themengruppen mitgeteilt wurden:
Fall Nummer 1:
"Ich erinnere mich an einen ernsteren Fall. Ein kleiner Hund, der von seinem Besitzer einige Zeit lang mit Ibuprofen behandelt worden war, kam mit Durchfall, Erbrechen und neurologischen Symptomen in den Zoo. Er verließ den Zoo in einer schwarzen Tasche".*.
Fall Nummer 2:
"Zu den schlimmeren Fällen aus der Praxis gehören Klassiker wie Ibuprofen, Paracetamol und andere Nlpz (hier haben nicht alle überlebt). Einmal gab es einen Fall von einer Katze, die die 10-fache Dosis Buprenorphin bekam, weil der Besitzer einen Fehler gemacht hatte. Einmal gab es eine Dame, die ihrer Katze ihre abgelaufenen Antibabypillen gab, um ihre Läufigkeit zu stoppen, weil sie noch welche übrig hatte und eine Spirale hatte, und sie dachte, das würde helfen, weil die Katze so müde war (wir können nur raten, ob es definitiv die Medikamente waren, die diesen spektakulären Abszess verursachten)".
Fall Nummer 3:
"Der Goldstandard ... Ibuprom und Apap. Sehr häufig. Es gibt auch Fälle von mangelhafter Medikamenteneinnahme und Vergiftungen bei Tieren - was wahrscheinlich noch schlimmer ist als die absichtliche Verabreichung -, denn hier können wir die eingenommene Dosis nicht mehr feststellen."
* Originalschreibweise
Die Sicherung der eingenommenen Medikamente ist von größter Bedeutung!
Zwei der drei oben beschriebenen Fälle sind klassische Beispiele dafür, dass ein Tierhalter sein Haustier schwer geschädigt hat, obwohl er ihm eigentlich helfen wollte. Leider zeigen solche Geschichten sehr deutlich, welche schwerwiegenden Folgen die Verabreichung von Humanarzneimitteln an Haustiere haben kann.
Der dritte beschriebene Fall wirft jedoch ein anderes wichtiges Problem auf, nämlich die versehentliche Vergiftung von Arzneimitteln infolge ihrer unsachgemäßen Aufbewahrung. Haustierbesitzer müssen bedenken, dass ihre Haustiere sehr neugierig sein können. Deshalb ist es so gefährlich, wenn Medikamente versehentlich auf dem Küchentisch liegen bleiben oder nicht aufgeräumt werden, nachdem sie auf den Boden gefallen sind. Denn wenn ein neugieriges Haustier ein paar oder ein Dutzend Tabletten frisst, sind seine Gesundheit und sein Leben in Gefahr.
Zusammenfassung
Es ist also an der Zeit, eine kurze Zusammenfassung aller dargestellten Informationen zu geben. Die wichtigste Schlussfolgerung kann nur eine sein: Es ist in der Regel gefährlich, Haustieren Medikamente zu geben, die für Menschen bestimmt sind. Natürlich gibt es einige Medikamente, die Haustieren bei verschiedenen Beschwerden helfen können. Sogar Tierärzte können deren Verwendung empfehlen. Dazu gehören Medikamente wie No-Spa und Pyralgin. Auf der anderen Seite gibt es auch Medikamente, die für Tiere äußerst schädlich und gefährlich sind. Hier sind zum Beispiel zu nennen: Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen und viele NSAIDs. Auch Verhütungsmittel, Betablocker oder Antidepressiva sollten nicht an Tiere verabreicht werden. Selbst wenn ein bestimmtes Medikament von tierischen Organismen vertragen wird, sollte das Dosierungsschema mit einem Tierarzt abgesprochen werden. Auch eine zu hohe oder zu niedrige Dosis eines gut verträglichen Medikaments kann zu einer Quelle von Problemen werden.
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